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Donnerstag, 17. Juni 2010, 19:30 Uhr Kristallsaal
Lust auf Liszt
Martin Stadtfeld - Klavier

Es schien beinahe so, als sehnte sich die Welt nach einem neuen Glenn Gould und hätte ihn im deutschen Martin Stadtfeld gefunden. Einem jetzt 30-jährigen Pianisten, der mit Bach in Leipzig für Aufsehen sorgte und danach medial nach vorne katapultiert wurde. Er hielt dem Druck stand und bewies gerade mit seinem letzten Beethoven-Album, dass er seinen eigenen Ton gefunden hat. Und dieser klingt „frisch, forsch und aufregend“. Sein Programm eröffnet Stadtfeld mit Mozart und C-Dur obendrein. Eine Plattform, auf der jeder noch so große Könner leicht ausrutschen kann. Vorsicht ist geboten, auf Berg – dessen frühe Klaviersonate op. 1 (1907/1920) – folgt Bach. In dessen Gewässern ist Stadtfeld Zuhause. Und nimmt gleich ein Vollbad mit Richard Wagners Ouvertüre zu „Tannhäuser“ in der Klavierfassung von Franz Liszt, der dem etwas Jüngeren in vielem voraus war, ohne in der Wertschätzung darauf zu pochen. Und Liszt ist es auch, der die beiden verknüpft: den Thomaskantor Bach und den „Gralshüter“ Wagner. Dem Sängerkrieg auf der Wartburg folgt Isoldes Liebestod. Martin Stadtfeld entwickelt dabei Erprobtes weiter und begibt sich durchaus auf neue Pfade. Alles andere als monothematisch. Mit einem unbescheidenen Anspruch: „Das klassische Konzert muss wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken.“ Das wäre Glenn Gould nicht passiert. Umso mehr Neugier entfacht es, Stadtfelds Ansage auf dem Podium zu überprüfen.

Programm:
W. A. Mozart
Sonate C-Dur KV 279
Alban Berg
Sonate op. 1
J. S. Bach
Englische Suite Nr. 4 F-Dur BWV 809

*** Pause ***

R. Wagner/Liszt
Ouvertüre „Tannhäuser“
F. Liszt
Variationen über ein Motiv von Bach
R. Wagner/Liszt
Isoldes Liebestod

Klavier: Bösendorfer Konzertflügel Modell 280
Martin Stadtfeld
Der 1980 geborene Pianist Martin Stadtfeld gab bereits mit neun Jahren sein Konzertdebüt und studierte ab seinem vierzehnten Lebensjahr an der Musikhochschule Frankfurt bei Lev Natochenny. Im Jahr 2002 sorgte er für Aufsehen, als er als erster bundesdeutscher Pianist den Internationalen Bach-Wettbewerb in Leipzig gewann. Der erste Preis dieses traditionsreichen Wettbewerbs, der zuvor 14 Jahre lang nicht vergeben worden war, öffnete dem jungen Künstler die Türen zu den wichtigsten Bachfestspielen (Ansbach, Stuttgart, Köthen) und anderen bedeutenden Festivals.

Konzertauftritte führen ihn heute in alle wichtigen Musikzentren Europas, der USA und Japans. Er spielte in allen wichtigen Städten Deutschlands, im Concertgebouw Amsterdam, der Sumida Triphony Hall in Tokyo und bei den Salzburger Festspielen. Zudem gibt er Orchesterkonzerte mit den Münchner Philharmonikern, dem Royal Philharmonic Orchestra London, dem New Japan Philharmonic Orchestra, der Camerata Salzburg, dem Residentie Orkest den Haag, dem Mozarteum Orchester Salzburg und der Staatskapelle Dresden.

Martin Stadtfeld nimmt exklusiv für Sony Classical auf. Seine 2003 erschienene Debüt-CD mit den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach erfuhr in der Presse überschwängliches Lob und eroberte binnen kurzem den ersten Platz der deutschen Klassik-Charts. Im Oktober 2004 erhielt Martin Stadtfeld für diese CD den Echo Klassik-Preis als „Nachwuchskünstler des Jahres“. Auch seine zweite Einspielung „Bach Pur“ (u.a. mit den dreistimmigen Inventionen und dem „Italienischen Konzert“ von Bach sowie Transkriptionen von Ferruccio Busoni und Alexander Siloti) erreichte die Spitze der deutschen Klassik-Charts und wurde 2005 mit einem weiteren Echo Klassik-Preis als „Solistische Einspielung des Jahres“ ausgezeichnet. Der Musik Johann Sebastian Bachs gilt Martin Stadtfelds Leidenschaft, er beschäftigt sich aber auch mit romantischem Repertoire, von Schubert über Schumann bis zu Rachmaninow. Auf der dritten CD (erschienen im September 2005) sind die Klavierkonzerte Nr. 20 d-Moll KV 466 und Nr. 24 c-Moll KV 491 von Mozart zu finden, eingespielt mit dem NDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Bruno Weil. Die Solo-CD „Kleine Stücke“ erschien im Februar 2006 mit 14 Präludien von Bach und Robert Schumanns „Bunte Blätter“ op. 99. Im September folgte eine CD mit Klavierkonzerten von Bach (mit dem Festival Strings Lucerne unter der Leitung von Achim Fiedler) und weitere Solo-Werke von Bach. Für diese CD erhielt er den Echo-Klassik-Preis 2007. Im September 2007 erschien seine CD mit den Schubert Klaviersonaten D 960 und D 894, die ebenfalls mit dem Echo Klassik 2008 ausgezeichnet wurde. Die Aufnahme der neuesten CD, des ersten Teils von Johann Sebastian Bachs „Das Wohltemperierte Klavier“, entstand im Konzerthaus Dortmund.

Mit dem Konzerthaus Dortmund verbindet Martin Stadtfeld eine langjährige Zusammenarbeit. Im Rahmen der vom Konzerthaus initiierten Reihe „Junge Wilde“ gibt er dort nicht nur regelmäßig Konzerte, sondern engagiert sich auch dafür, Schülern aus Problemschulen den Zugang zur klassischen Musik zu ermöglichen. Er besucht Schulen, spricht dort über seine Arbeit als Pianist und stellt den Schülern die Musik vor.



 

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